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Subprojekt 2

Sozialpolitische Kartografien: Regionale Ausprägungen der Fremdplatzierungspraxis in der Schweiz (1910–1980)

Das Subprojekt unterstützt das generelle Ziel des Sinergia-Projekts, den Forschungsstand zu erweitern und eine Übersicht über die noch kaum untersuchte Fremdplatzierungspraxis in der Nachkriegszeit zu geben. Es bezweckt eine vergleichende Analyse der Platzierungspolitik und -praxis zwischen 1940 und 1980. Ziel ist es, den Wandel, der diese Periode prägte, zu beschreiben und zu verstehen, Faktoren zu analysieren, die Veränderungen förderten oder behinderten, sowie deren generelle Bedeutung für die Veränderung der schweizerischen Gesellschaft in der Nachkriegszeit zu bestimmen. Das Subprojekt untersucht dazu in einer vergleichenden Perspektive die Platzierungspraxis, die Praxis in ausgewählten Heimen sowie die Rolle medizinischer Expertengutachten in Entscheidungsprozessen. Die Untersuchung fokussiert auf vier Kantone, die die Vielfalt der Fremdplatzierungspraktiken widerspiegeln und unterschiedliche Sprachregionen, religiöse Milieus sowie Stadt-Land-Gegensätze umfassen. Die Fallstudien berücksichtigen die Kantone Basel-Stadt, Appenzell Innerrhoden, Waadt und Fribourg.

Ausgehend von dieser Perspektive, untersucht das Projekt die Fremdplatzierungspraxis auf der lokalen und kantonalen Ebene. Das föderalistische System und das Subsidaritätsprinzip lassen vermuten, dass die Sozialpolitik in der Schweiz auf unterschiedlichen Ebenen betrachtet werden muss. So sind zahlreiche Zuständigkeiten auf lokaler Ebene angesiedelt: Fürsorge-, Vormundschaft und seltener auch Gesundheitsbehörden. Nur auf lokaler Ebene können deshalb Akteurinnen und Akteure, institutionelle Strukturen, Formen und Wirkungen von Fremdplatzierungen zuverlässig identifiziert werden. Dank der sprachlichen, konfessionellen und sozialräumlichen (Stadt/Land) Unterschiede, durch die sich die Fallbeispiele auszeichnen, können aber auch generelle Erklärungsfaktoren überprüft werden.

Es ist zu vermuten, dass Differenzen zwischen den kantonalen Fremdplatzierungspolitiken mit den Unterschieden zwischen den Sprachregionen, den konfessionellen Milieus sowie zwischen städtischen und ländlichen Gebieten korrelieren. Allerdings sind dies nicht die einzigen relevanten Faktoren, vielleicht nicht einmal die entscheidenden. Das Projekt nimmt deshalb auch allgemeinere Faktoren in den Blick, die die Platzierung von Kindern beeinflussten, Faktoren, die sprachliche, konfessionelle und sozialräumliche Unterschiede überlagern oder akzentuieren können. Zwei Faktoren sind dabei besonders relevant: Das Wirtschaftswachstum in der Nachkriegszeit (sowie die damit zusammenhängenden sozialen und kulturellen Folgen) sowie die sich wandelnden Perspektiven und Interesse der Akteurinnen und Akteure, die für die Fremdplatzierung von Kindern zuständig waren.

Um zu verhindern, dass nationale und lokale Besonderheiten bei der Untersuchung einzelner Praktiken und Einrichtungen ein zu grosses Gewicht bekommen, ist es nötig, abstrakte Vergleichsebenen ("tertium comparationis") zu definieren, die im Sinn eines heuristischen Modells für alle Untersuchungsregionen verbindlich sind. Zu diesem Zweck ist ein analytisches Raster vorgesehen, das auf fünf beschreibenden Kategorien beruht. Das Subprojekt versucht, eine weitere Schwierigkeit vergleichender Forschung zu vermeiden: Diejenige einer teleologischen Sicht, die regionale Differenzen unter dem Aspekt der Verspätung, respektive des Hinterherhinkens einzelner Regionen versteht. In den untersuchten Kantonen variieren die Startbedingungen, ebenso in den einzelnen Fallbeispielen (Konfession, Sprache, sozialräumliches Umfeld). Folglich haben identische Faktoren des Wandels unterschiedliche Anpassungsprozesse im Bereich der institutionellen Politiken und Fremdplatzierungspraktiken zur Folge. Es ist so möglich, das Ausmass zu untersuchen, in dem solche Anpassungsvorgänge konvergieren, oder das Auftreten oder das Verfestigen von Differenzen zu analysieren.

Kontakt:
Prof. Dr. Anne-Françoise Praz, anne-francoise.praz@unifr.ch;
Prof. Dr. Flurin Condrau, f.condrau@mhiz.uzh.ch;
Prof. Dr. Martin Lengwiler, martin.lengwiler@unibas.ch;
Yves Collaud, MA, yves.collaud@unil.ch;
Mirjam Janett m.janett@access.uzh.ch

 

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